Nach einer vier jährigen Pause, machten sich die vier Finnen von The Rasmus wieder einmal auf, um mit einem neuen Album den Musikmarkt zu bereichern. Vorweg: Viel habe ich nach den beiden Vorgängern „Hide from the sun“ und „Black roses“ nicht erwartet, denn ein Überflieger war keines der beiden. Obwohl ich (das würde ich jetzt einfach mal von mir selbst behaupten) ein Fan der selbsternannten „Poprocker“ bin, stürzte ich mich also nicht gespannt auf das Album, sondern startete die Sache eher gelassen und mit Skepsis. Selbst behaupteten die Vier, dass das neue Album musikalisch in die Richtung des 2000er Albums „Into“ gehen sollte, dies kann ich bis auf wenige Ausnahmen jedoch nicht bestätigen. Elektronischer sind sie geworden, ob das nun am momentanen Elektro-Autotune-Einheitsbrei oder eher am Soloalbum des Sängers Lauri Ylönen namens „New World“ liegt, sei dahingestellt. Dieses war nämlich ein rein elektronisches Album. Dem gegenüber steht nun jedoch wieder eine komplette Band mit Schlagzeug, Gitarre und Bass.

Nun gut, beginnen tut das ganze Spektakel mit dem eher langsamen Song „Stranger“, der (wie übrigens ziemlich viele Songs des neuen Albums) von einer verlassenen, möglicherweise unglücklich verliebten Person handelt, die auf der Suche nach einer schnellen Ablenkung ist. Stilistisch betreten The Rasmus hier erstmals wirklich ausschließlich Popmusik-Gefilde. Rockig ist hier leider gar nichts mehr, da hilft auch der Einsatz von Gitarrist Pauli in Spielzeit 1:56 nicht mehr viel. Radiotauglich ist das Gedudel dennoch auf jeden Fall, eben nur nicht mehr das, was man von der Band erwartet hätte. Hörbar – aber nicht so wirklich der Burner…
Nach der anfänglichen Enttäuschung folgt nun die nächste, die nennt sich „I’m a mess“ und ist die erste Singleauskopplung des Albums. Stilistisch passt diese überhaupt nicht zum Rest. Als Kenner der Band ist man es jedoch gewohnt, dass diese sich immer genau den Song als erste Singleauskopplung herauspickt, der mit dem Rest rein gar NIX zu tun hat. Ob das nun positiv oder negativ ist, überlasse ich dem Hörer. Es erweckt in potentiellen Albumkäufern jedoch eindeutig falsche Erwartungen. In jedem Fall ist der Song der einzige des kompletten Albums, der mich wirklich an das vierte Album „Into“ erinnert. Es sind sogar einzelne Soundelemente, welche man im damaligen zweiten Song „Bullet“ findet herauszuhören. Hier wäre meine Bewertung -> Ganz nett, aber auch nicht das Beste, was die Band hier produziert hat…

„It’s your night“ ist für mich dann einer der wenigen Lichtblicke des Albums, entgegen der Meinung vieler anderer Kritiker gefällt mir der zwar nicht allzu rockige, aber dennoch nette Song, der eindeutig Ohrwurmcharakter aufweist. Hier lassen sich auch alte Charakterzüge, beispielsweise Paulis Gitarrenriffs, von den alten „The Rasmus“ Alben wiedererkennen. Dieser Song gefällt mir und ist für mich, neben Song Nummer neun namens „Friends don’t do like that“, der beste des gesamten Albums. Der eben genannte überzeugt durch eine nette Melodie und eine tolle lyrische Thematik, die mal sehr von den restlichen Liebesschnulzen abweicht, hier geht es nämlich (wie der Name wahrscheinlich schon vermuten lässt) um falsche Freunde.

Von den restlichen sechs Songs bleiben insgesamt zwei, die man noch gut hören kann – das wären „Someone’s gonna light you up“ und „Save me once again“. Der Rest ist – und das muss ich nun leider so sagen – poppige Einheitsgrütze, die zwar eindeutig radiotauglich wäre, aber dennoch grundsätzlich von mir übersprungen wird, wenn ich das Album selbst höre. „End of the story“, „You don’t see me“, „Somewhere“ und „Sky“ wären die restlichen vier. „Sky“ ist hier das einzige, was man mit gutem Willen noch einmal als durchschnittlichen „Rasmus-Song“ durchgehen lassen könnte.

Deshalb fällt mein Fazit auch nicht allzu gut aus. Das Album ist zwar trotz allem besser als die Vorgänger „Black roses“ und „Hide from the sun“, aber an „Into“ kommt es in 100 Jahren nicht heran und den Verkaufsschlager „Dead letters“ werden sie höchstwahrscheinlich sowieso nie übertreffen können. Für Fans ist sicherlich etwas dabei (wenn auch stilistisch total anders, als der Rest), Leute die „I’m a mess“ mögen, sollten aus bereits genannten Gründen zunächst einmal reinhören und Menschen die ein Rockalbum erwarten sollten die Finger von „The Rasmus“ lassen. Es würde hier höchstwahrscheinlich nur zur großen Enttäuschung kommen. The Rasmus bleiben sich hier, was gewisse stilistische Mittel angeht zwar treu, weichen aber von ihrem generell etwas rockigeren Stil dermaßen ab, dass ich mir vorstellen kann, dass sie sich mit diesem Stück hier selbst ein Bein gestellt haben. Man kann es hören, so mancher würde jetzt jedoch sagen, man könne es auch lassen. Leider! Ich bin dennoch gespannt, in was für eine Richtung sie sich als nächstes entwickeln, denn an musikalischen Variationen und Experimentierfreudigkeit mangelt es The Rasmus ja nun nicht.

(c) Hiroshi ManakaActinfos
The Rasmus

Die erfolgreichste finnische Band ist wieder da